%@ page contentType="text/html; charset=iso-8859-1" language="java" import="java.sql.*" errorPage="" %>
Allgemeines
Gründer, Ziel und Aufgabe
Vorstand und Beirat,
Schirmherrschaft
Kontakt
Adressen, Telefon
E-mail-Kontakt
Aktuelles
Termine, Neuerscheinungen
Forschung und Archiv
Forschungsaktivitäten
Archivalische Nachlässe
Veranstaltungen
Seminare, Symposien u.a.
Publikationen
Die Schriftenreihe der Stiftung
Auszeichnungen
Feierliche Preisverleihungen
Preise und Auszeichnungen
Deutschsprachige Arbeit
in Finnland und andere Informationen zu den
deutschsprachigen Ländern
Partner der Stiftung
und andere Links

Aue-Säätiö - Die Aue-Stiftung
- Aue-Stiftelsen - The Aue Foundation
--------------------------------
Aktuelle Informationen
Veröffentlichungen der Aue-Stiftung Band 20
Robert Schweitzer
Finnland, das Zarenreich und die
Deutschen
Gesammelte Studien zum europäischen Nordosten
Festgabe zum 60. Geburtstag des
Verfassers
und Forschungsleiters der Aue-Stiftung
Herausgeberin: Uta-Maria Liertz
Helsinki-Lübeck 2008, 735 S., mit Abbildungen
EURO 49.- plus Versand
Am 18.4.2008 ist nach schwerer Krankheit unsere langjährige Geschäftsführerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende
Waltraud Bastman-Bühner
verstorben. Im folgenden veröffentlichen wir die Rede, die der Forschungsleiter der Stiftung, Dr. Robert Schweitzer bei der Beerdigung von Waltraud Bastman-Bühner am 23.4.2008 gehalten hat.
Liebe Trauernde,
aus meiner fast zwanzig Jahre langen Zusammenarbeit mit Waltraud Bastman-Bühner ist im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft, auch zwischen unseren Familien geworden, so dass ich froh bin, dass ich heute hier mit Abschied nehmen kann. Aber das Wort ergreife ich in erster Linie als Vertreter der Aue-Stiftung, die ihrer jetzt verstorbenen Geschäftsführerin und stv. Direktorin so viel verdankt. Ende der 80er Jahre hatte der in Finnland lebende Theodor Aue, Sohn Moskauer Deutscher und natürlicher Weltbürger, eine Stiftung gegründet, die das Gedächtnis derjenigen Welt erforschend bewahren sollte, in der auch Waltraud Bastman-Bühner zu Hause war. Es war die Welt der Deutschen im Nordosten Europas, die – eigentlich schon seit dem Mittelalter – in den nördlichen Ostseeraum einwanderten. Sie hielten bewusst an ihrer Sprache und Kultur fest, gründeten deutsche Kirchengemeinden, Schulen und Bibliotheken, brachten sich aber ansonsten rückhaltlos in die aufnehmenden Gesellschaften ein, die ihnen – außer in Ausnahmesituationen auch ihren Platz und Freiraum ließen – eine sich dauernd wiederholende erfolgreiche Integration.
Sehr bald erkannte Aue, dass die Erforschung ohne eine Organisation nicht glücken konnte, und gewann Waltraud Bastman-Bühner für die Mitarbeit. Die Stiftung musste eine Infrastruktur haben und ein Gesicht. Sie brauchte ein funktionierendes Büro und musste mithalten, als das Internet kam, aber sie sollte auch ihre Ergebnisse durch Öffentlichkeitsarbeit vermitteln und Präsenz zeigen. All dieses hat Waltraud Bastman-Bühner geleistet – und zwar wie alle in der Stiftung ehren- oder nebenamtlich. Ich will nicht auf ihren Werdegang eingehen – sie sagte nur einmal: „Wenn man Hauswirtschaft gelernt hat, kann man alles organisieren.“ Und sie hat: sie hat die Schriftenreihen der Stiftung redigiert und ihre Zeitschrift ins Leben gerufen, in Kooperation mit anderen Institutionen erfolgreiche Tagungsreihen im internationalen Maßstab von Ostseeraum und deutschsprachigem Mitteleuropa begründet, Förderaktivitäten und –preise initiiert. Und immer war sie dabei die freundliche und weltgewandte Gastgeberin oder Repräsentantin der Stiftung, eine Persönlichkeit, die vielen – Wissenschaftlern und Botschaftern, aber auch Studierenden und Praktikantinnen im Gedächtnis geblieben ist.
Der Vorstand der Aue-Stiftung, die ja eine finnische Stiftung mit Sitz in Helsinki ist, und ihre Mitarbeiterinnen haben mich deswegen gebeten, hier Waltraud Bastman-Bühners erfolgreiche Arbeit, ihren unbedingten Einsatz und ihre prägende Persönlichkeit zu würdigen; ein Kranz soll dafür sichtbares Zeichen sein. Ich soll und möchte aber Beileid und Dankbarkeit auch an die Familie weitergeben, und besonders an Dich, lieber Pekka, der Du ihre Arbeit mit so viel Sympathie und Unterstützung begleitet hast – die liebevollen Bilddokumentationen, die Du fotografiert hast, halten dies auf Dauer fest.
Ich selbst verdanke Ihr unendlich viel. Hätte sie nicht den Rahmen geschaffen, wäre der Versuch, als ehrenamtlicher Forschungsleiter neben dem Beruf von Deutschland aus zur Erforschung des deutschen Elements im europäischen Nordosten wesentlich beizutragen, aussichtslos gewesen. Immer hat sie bei allem Verständnis für meine Doppelbelastung mit Umsicht gemahnt und ermutigt. Ihre Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen und ihre zupackende Art bei der Umsetzung haben es zu einer großen Freude für mich gemacht, mit ihr zusammen Pläne zu schmieden und umzusetzen – und wenn es mit den letzten Kraftreserven geschah.
Liebe Trauernde, ein Leben in oder zwischen zwei Völkern und Kulturen ist spannend, und es kostet auch Kraft. Waltraud Bastman-Bühner aber hat ihr Können und ihre Leidenschaft daran gesetzt, den Reichtum sichtbar zu machen, den es spendet. Immer wenn Gesellschaften diesen Reichtum nicht mehr gesehen, nicht mehr in das schöne polnische Sprichwort „Fremde sind Freude“ einstimmen konnten, zog Unglück drohend am Horizont auf. Die Verstorbene hat mit ihrem Engagement nicht nur die eigene Situation aktiv gestaltet, sondern ihren Beitrag zur europäischen Verständigung geleistet.
Ich möchte mich deshalb auch im Namen der Stiftung mit folgenden Worten Bert Brechts von ihr verabschieden:
"Viele sehen es so, als drängten wir uns
Zu den abgelegensten Verrichtungen
Bemühten uns um seltene Aufträge
Unsere Kräfte zu erproben oder unter Beweis zu stellen -
Aber in Wirklichkeit sieht besser, wer
Uns einfach das Unvermeidliche tun sieht:
Möglichst gerade zu gehen, die Hindernisse des Tages
Zu überwinden, die Gedanken zu vermeiden, die
Schlimme Folgen gehabt haben, die günstigen
Ausfindig zu machen, eben:
Den Weg des Tropfens zu bahnen im Fluß, der sich
Durch das Geröll den Weg bahnt."
