Deutsche Bibliothek Helsinki: Es könnte alles schlimmer sein
05.01.2026Anfang 2024 ist die Deutsche Bibliothek Helsinki aus dem staatlichen Förderprogramm herausgefallen, ein Schicksal, das andere Freundschaftsvereine in Finnland mittlerweile teilen.
Für den Bibliotheksbetrieb bedeutete das, dass das bestehende Personal entlassen werden musste, die Bibliothek blieb mehrere Monate geschlossen. Seit April 2024 ist sie durch Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen drei Tage die Woche geöffnet.
Was für viele einfach aussieht (denn was muss man schon anderes tun, als am Ausleihtresen zu sitzen und freundlich zu lächeln), bringt tatsächlich eine ganze Menge Arbeit und Organisationsaufwand mit sich. Bücher müssen bestellt und katalogisiert oder umgekehrt aus dem Bestand gelöscht, Veranstaltungen organisiert, Förderanträge geschrieben, Führungen für Schüler und Studierende angeboten und Kundenanfragen beantwortet werden. Und eine Bibliothek will auch verwaltet werden. Ohne geschultes, angestelltes Personal bringen diese Aufgaben viele inhaltliche Herausforderungen und einen hohen Zeitaufwand mit sich.
Um so erfreulicher ist es, dass sich rund 25 Freiwillige und aktive Vorstandsmitglieder gefunden haben, die die Bibliothek geöffnet halten, Social Media betreuen und neue Projekte in die Tat umsetzen. Unter Anleitung der ehemaligen Bibliotheksleiterin Gabriele Schrey-Vasara konnten immer wieder neue Interessierte in den Ausleihdienst eingearbeitet werden. Wer sich für ein Ehrenamt bei uns interessiert, ist immer herzlich willkommen!
Dass sich bereits so viele Menschen gefunden haben, die der Bibliothek in Notzeiten helfen wollen, zeigt, dass sie mehr ist als „nur“ eine traditions- und geschichtsträchtige Kulturinstitution. Sie ist auch ein Herzstück der deutsch-finnischen Gemeinschaft in Helsinki, für viele ein Ort der Ruhe, aber auch der Verbindung mit anderen deutschsprachigen Menschen. Dieser Rolle als Raum für Gemeinschaft und gesellschaftlichen Dialog soll auch in Zukunft nachgekommen werden.
Neben dem laufenden Betrieb aber muss die Bibliothek sich neu sortieren, um den Herausforderungen der Zeit stand halten zu können. So wird 2026 eine neue Kinderecke eingeweiht, in der in Zukunft Familien Platz zum gemütlichen (Vor)Lesen finden sollen. Es wird auch eine neue Abteilung für Wirtschaftswissenschaft geben, das Bibliothekssystem wird Anfang nächsten Jahres erneuert. Dazu wird der Buchbestand kritisch unter die Lupe genommen, fokussiert und nach Möglichkeit modernisiert. Der ursprünglich vom Goethe-Institut übernommene „Feierabend“ geht auch im nächsten Jahr weiter, ebenso werden verstärkt Vorträge zu deutsch-finnischen Themen angeboten werden.

Michael Reinert, Gudrun Sentzke, Jan Klüver, Eva Kraushaar, Gabriele Schrey-Vasara, Thomas Stagneth, Isabel Scherer, Ulla Pitkänen, Beatrix Redemann, Paula Schuth, Ulrike Eichstädt
Nicht im Bild: Dorothea Grünzweig, Maria Scholl, Vanessa Poepper, Riitta Pohjola-Skarp, Riitta Maurer (Foto: AHK Finnland)
Wie lange die Bibliothek mit rein ehrenamtlicher Arbeit aufrechterhalten werden kann, ist ungewiss. Langfristig hoffen wir, wieder Förderungen zu erhalten, die uns die erneute Anstellung von professionellem Personal erlauben. Aber zumindest dieses Jahresende können wir mit Optimismus in die Weihnachtspause gehen.
Denn: auch wenn nicht alles perfekt ist und für die langfristige Zukunft noch Fragen offen sind – es könnte alles viel, viel schlimmer sein.
Text: Eva Kraushaar, Vorsitzende des Bibliotheksvereins der Deutsche Bibliothek Helsinki