Aue-Lecture am 28. Oktober 2025: Prof. Dr. Sybille Steinbacher
18.08.2025
Vortrag von Prof. Dr. Sybille Steinbacher zum Thema
Auschwitz. Mordstätte und deutsche „Musterstadt“
Termin: 28. Oktober 2025, 17 Uhr
Ort: Universität Helsinki, Tiedekulma, Think Lounge (Yliopistonkatu 4)
Sprache: Deutsch
Anmeldung bis zum 19. Oktober unter info(a)aue-stiftung.org
Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft organisiert.
Abstract:
Im Mittelpunkt des Vortrags steht der historisch-politische Raum Auschwitz, in dem die nationalsozialistischen Verbrechen stattfanden, anders gesagt: Es geht um das Nebeneinander von Normalität und Massenmord. Denn trotz der Nähe zum Lagerkomplex wurde Auschwitz im Zweiten Weltkrieg zu einer „Musterstadt“ der deutschen Ostsiedlung. Schon bald nach dem Überfall auf Polen gehörte Auschwitz zum Deutschen Reich und eine intensive, gewaltgeprägte Germanisierungspolitik setzte ein. Tausende von Deutschen ließen sich zur selben Zeit hier nieder, als im Konzentrations- und Vernichtungslager der Massenmord an den europäischen Juden und anderen Verfolgtengruppen stattfand. Dass die Stadt Auschwitz für die nationalsozialistische Siedlungs- und Wirtschaftspolitik herausragende Bedeutung erhielt, war auf den Bau der IG Farben-Werke zurückzuführen. Für die „eingedeutschte“ Stadt entstanden wegen des Fabrikbaus weit in die Zukunft gerichtete Entwicklungsplanungen. Der Blick auf Stadt und Lager Auschwitz führt die konzeptionelle, zeitliche und räumliche Einheit von Germanisierungs- und Vernichtungspolitik vor Augen.
Kurzbiographie von Prof. Dr. Sibylle Steinbacher:
Sybille Steinbacher ist seit 2017 Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Inhaberin des Lehrstuhls zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2010 bis 2017 war sie Universitätsprofessorin für Zeitgeschichte/Vergleichende Diktatur-, Gewalt- und Genozidforschung an der Universität Wien. Sie hat in München von 1986 bis 1991 Geschichte und Politikwissenschaft studiert und war von 1994 bis 1997 Stipendiatin am Institut für Zeitgeschichte München und 1996 am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie 1998 promoviert wurde, und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo sie sich 2010 habilitierte, jeweils am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte von Prof. Dr. Norbert Frei. Als Feodor Lynen-Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung ging sie 2004/05 an die Harvard University. Sie hatte 2010 die Gastprofessur des Fritz Bauer Instituts für interdisziplinäre Holocaustforschung inne. 2012/13 war sie Ina Levine Invitational Scholar am Mandel Center for Advanced Holocaust Studies am United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. Sie ist Vorsitzende des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und Mitglied weiterer internationaler und nationaler wissenschaftlicher Gremien.
Forschungsschwerpunkte:
– Nationalsozialismus, Faschismus, Holocaust
– NS-Zeit und deutsche Gesellschaft
– (Zeit-)Geschichte der Sexualität
Veröffentlichungen (Auswahl):
– Hitler. Geschichte eines Diktators, (C.H. Beck) München 2025.
– Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, (C.H. Beck) 6., durchges. Aufl., München 2025 (zuerst: 2004).
– „Musterstadt“ Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien, (K.G. Saur) München 2000.
– (mit Saul Friedländer, Norbert Frei und Dan Diner) Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust, (C.H. Beck) München 2022.
Was sind die Aue-Lectures?
Im September 2023 startete eine neue Veranstaltungsreihe der Aue-Stiftung. In diesem Rahmen wird eine namhafte Persönlichkeit zu einem wissenschaftlichen Gastvortrag mit anschließendem Empfang eingeladen. Herzlich willkommen den Vertreter*innen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und allen Interessierten.